Regio­na­le Struk­tu­ren stär­ken den Trans­fer zwi­schen Hoch­schu­len und Mittelstand

Prof. Dr. Kira Kastell eröffnet die 10. Berliner Transferkonferenz Quelle; Kai Martin Ulrich

10. Ber­li­ner Transfer­konferenz gab Impul­se für die wei­te­re Aus­ge­stal­tung der Transferförderung

Die Stär­kung des Trans­fers zwi­schen HAW und Mit­tel­stand stand im Fokus der 10. Ber­li­ner Transfer­konferenz der Hochschul­allianz für den Mit­tel­stand (HAfM). Unter dem Titel „Trans­fer wirkt – Hoch­schu­len und Mit­tel­stand als Motor regio­na­ler Trans­for­ma­ti­on“ gaben Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter aus Wirt­schaft und Wis­sen­schaft span­nen­de Impul­se und mit Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern der Poli­tik wur­de über Her­aus­for­de­run­gen und Rah­men­be­din­gun­gen dis­ku­tiert. Beson­ders deut­lich wur­de dabei, dass ins­be­son­de­re regio­na­le Struk­tu­ren mit ver­läss­li­chen Kon­takt­stel­len und Per­so­nen not­wen­dig sind, um Mit­tel­stand und HAW gute Trans­fer­be­din­gun­gen zu ermöglichen.

„Es geht mit klei­nen Schrit­ten vor­an“, stell­te die HAfM-Vor­sit­zen­de und Prä­si­den­tin der Hoch­schu­le Hamm-Lipp­stadt, Prof. Dr. Kira Kas­tell, bei der 10. Ber­li­ner Transfer­konferenz mit Blick auf die jüngs­te Mel­dung der Gemein­sa­men Wis­sen­schafts­kon­fe­renz (GWK) fest, die eine Stär­kung der For­schung an Hoch­schu­len für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten (HAW) ab 2027 durch zusätz­li­che Mit­tel in Höhe von rund 61 Mil­lio­nen Euro für die For­schungs­in­fra­struk­tur beschlos­sen hat­te. Jetzt sei es wich­tig dar­über zu spre­chen, wie es zu einer guten Aus­ge­stal­tung für nach­hal­ti­gen und ver­läss­li­chen Trans­fer komme.

Die par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tä­rin im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie (BMWE) sowie Mit­tel­stands­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung Git­ta Con­ne­mann beton­te in ihrer Key­note die Bedeu­tung des Mit­tel­stands für die wirt­schaft­li­che Wert­schöp­fung in Deutsch­land. Bei der Ent­wick­lung von anwen­dungs­be­zo­ge­nen Inno­va­tio­nen neh­men die HAW gemein­sam mit dem Mit­tel­stand eine zen­tra­le Rol­le ein. Aktu­ell arbei­tet die Bun­des­re­gie­rung an einer ganz­heit­li­chen Trans­feragen­da mit dem Ziel, die Trans­fer­hemm­nis­se abzu­bau­en. Das Ziel der Bun­des­re­gie­rung ist, die Trans­fer­wir­kung von der Wis­sen­schaft in die Wirt­schaft deut­lich zu erhö­hen und damit die Poten­zia­le von Inno­va­tio­nen für die deut­sche Wirt­schaft zu heben. In der Dis­kus­si­on wur­de deut­lich, dass es nicht eini­ge Mega­zen­tren für Trans­fer braucht, son­dern ein brei­tes Ange­bot, um an vie­len Stel­len durch die Ver­bin­dung von Mit­tel­stand und Hoch­schu­len Hebel­wir­kun­gen zu erzielen.

Ers­te Erkennt­nis­se aus den Ana­ly­sen für eine HAfM-Stu­die zur For­schungs- und Trans­fer­för­de­rung stell­te Dr. Eli­sa­beth Holu­scha, Plan W., vor. 81 Pro­gram­me wer­den dabei anhand von Kri­te­ri­en wie För­der­vo­lu­men, The­men­of­fen­heit und For­schungs­an­teil unter­sucht. Zwar ist die Aus­wer­tung noch nicht abge­schlos­sen, ers­te Erkennt­nis­se zei­gen aber, dass das sehr diver­se Pro­gramm­feld der Trans­fer­för­de­rung über­sicht­li­cher gestal­tet wer­den wie auch eine grö­ße­re The­men­of­fen­heit und eine stär­ke­re Berück­sich­ti­gung sozia­ler Inno­va­tio­nen erfol­gen soll­te. Auch soll­te es eine Trans­fer­för­de­rung geben, wel­che die Spe­zi­fi­ka der HAW berück­sich­tigt. Die Rah­men­be­din­gun­gen soll­ten ins­ge­samt fle­xi­bler und agi­ler wer­den und den Hoch­schu­len zudem eine stär­ke­re Eigen­ver­ant­wor­tung bei Abbruch- oder Anpas­sungs­ent­schei­dun­gen ermög­li­chen. Eine hohe Trans­fer­wir­kung ent­fal­ten laut den Erkennt­nis­sen vor allem Pro­gram­me, die regio­na­le Öko­sys­te­me adres­sie­ren und lang­fris­ti­ge Koope­ra­tio­nen ermög­li­chen. „Ent­spre­chend sind loka­le bzw. regio­na­le Struk­tu­ren mit ver­läss­li­chen Kon­takt­stel­len und ‑per­so­nen not­wen­dig, um dem Mit­tel­stand gute Trans­fer­be­din­gun­gen zu ermög­li­chen“, so Prof. Kastell.

Wie guter Trans­fer zwi­schen HAW und Mit­tel­stand funk­tio­niert, zeig­ten Prof. Dr. Harald Rie­gel, Prä­si­dent der Hoch­schu­le Aalen, sowie Frank Kother, Geschäfts­füh­rer TMC GmbH, und Prof. Dr. Jost Göt­tert von der Hoch­schu­le Nie­der­rhein in ihren Pra­xis­trans­fer­pro­jek­ten. Sie haben in ihren regio­na­len For­schungs­pro­jek­ten wie­der­holt fest­ge­stellt, dass die Indus­trie schnel­le und dyna­mi­sche Pro­zes­se bräuch­te, um Kun­den­in­ter­es­sen gut auf­grei­fen zu kön­nen. Dem stün­den teil­wei­se büro­kra­ti­sche und lang­wie­ri­ge Pro­zes­se bei der Bean­tra­gung von Pro­jek­ten ent­ge­gen. Neben der Pro­jekt­för­de­rung sei auch die Struk­tur­för­de­rung für einen nach­hal­ti­gen Trans­fer ent­schei­dend. Ins­be­son­de­re for­schungs­star­ke, expe­ri­men­tell arbei­ten­de For­schungs­grup­pen mit auf­wän­di­ger Infra­struk­tur bräuch­ten einen ver­läss­li­chen Mit­tel­bau sowie ange­mes­se­ne Pro­gram­me zur För­de­rung von Nach­wuchs­ta­len­ten. „Ein wesent­li­cher Impuls­ge­ber für For­schung, Koope­ra­ti­on und Trans­fer war für uns das Pro­gramm FH-Impuls, dass es aber lei­der nur ein­ma­lig gab“, so Prof. Riegel.

Im abschlie­ßen­den Polit-Talk ver­wies Ayse Asar, B‘90/Die Grü­nen dar­auf, dass es künf­tig dar­um gehe, Rah­men­be­din­gun­gen, Finan­zie­rung sowie lang­fris­ti­ge Per­spek­ti­ve / Pla­nungs­si­cher­heit für den Trans­fer und die Zusam­men­ar­beit von HAW und Mit­tel­stand fest­zu­schrei­ben. Auf dem Podi­um herrsch­te Einig­keit, dass es eine Insti­tu­tio­na­li­sie­rung von Trans­fer geben müs­se und Bar­rie­ren abge­baut wer­den müs­sen, die ins­be­son­de­re Unter­neh­men den Zugang zur For­schung mit den HAW erschwe­ren. Dr. Caro­lin Wag­ner, SPD, mach­te deut­lich, dass fes­te Struk­tu­ren Trag­fä­hig­keit brin­gen und eine Insti­tu­tio­na­li­sie­rung vor Ort wich­tig sei. Nick­las Kap­pe, CDU/CSU, stimm­te ihr da zu: „Insti­tu­tio­na­li­sie­rung ist ein ent­schei­den­der Punkt. Eine geziel­te Steue­rung kann hel­fen, anwen­dungs­ori­en­tier­te For­schung und Trans­fer bes­ser zu steu­ern.“ Jörg Cezan­ne, Die Lin­ke, unter­stützt den Gedan­ken, dass HAW in den Regio­nen orga­ni­sie­ren­de Zen­tren wer­den soll­ten. Durch insti­tu­tio­na­li­sier­te Struk­tu­ren vor Ort kön­nen HAW deut­lich effek­ti­ver auf die Betrie­be zuge­hen. „HAW soll­ten die Kapa­zi­tä­ten haben, um von sich aus KMU anspre­chen zu kön­nen und so den Trans­fer zu unter­stüt­zen.“ Ent­spre­chend sahen alle auf dem Podi­um die Kom­pe­tenz für den Auf­bau der regio­na­len Öko­sys­te­me bei den regio­nal ver­an­ker­ten HAW, um die För­de­rung in die Flä­che zu brin­gen. Hier­für brau­che es gute Struk­tu­ren und natür­lich Finan­zie­rung. Die Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker aus dem Wis­sen­schafts- und Wirt­schafts­aus­schuss waren sich einig, dass mehr Geld zwar auch hel­fe, aber nicht alles sei. Die Trans­fer­för­de­rung und ‑wir­kung sei durch den Auf­bau regio­na­ler Öko­sys­te­me, Büro­kra­tie­ab­bau und lang­fris­ti­ge Koope­ra­tio­nen zu ver­bes­sern. Laut Aus­sa­ge der Podi­ums­gäs­te lie­ge ihnen ein Papier zur Aus­ge­stal­tung der Trans­fer­boos­ter noch nicht vor. „Uns ist die Kon­sor­ti­al­füh­rer­schaft der HAW in die­sem Bereich ein wich­ti­ges Anlie­gen“, so Wag­ner. Eben­so sei eine star­ke Ver­tre­tung der HAW in der Sach­ver­stän­di­gen­an­hö­rung essen­ti­ell. Neben dem Trans­fer­boos­ter schlägt Asar vor, einen Zukunfts­ver­trag Trans­fer auf­zu­set­zen ana­log zum Zukunfts­ver­trag Stu­di­um und Leh­re stär­ken, der lang­fris­tig und über die Legis­la­tur­pe­ri­ode hin­aus gin­ge. Alle Dis­kus­si­ons­teil­neh­men­den beto­nen zudem, dass die Zusam­men­ar­beit zwi­schen dem Wis­sen­schafts- und Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um wich­tig sei. Ein gutes Fazit nach einer Run­de, die bewusst bei­de Res­sorts auf der Büh­ne zusammenbrachte.

Foto: 10. Ber­li­ner Transfer­konferenz Quel­le: Kai Mar­tin Ulrich