Das Dickicht der Trans­fer­för­de­rung entwirren

Forderungen der Hochschulallianz für den Mittelstand

For­de­run­gen der Hochschul­allianz für den Mit­tel­stand — Weni­ger ist mehr

Trans­fer zwi­schen Wis­sen­schaft und Wirt­schaft ist ein wesent­li­cher Schlüs­sel, um die Inno­va­tions-Lücke zwi­schen For­schung und wirt­schaft­li­cher Ver­wer­tung zu ver­rin­gern. Trans­fer-För­der­pro­gram­me von Bund und Län­dern sind ein zen­tra­les Instru­ment zur Anbah­nung  von Koope­ra­tio­nen zwi­schen Hoch­schu­len und Mit­tel­stand. Die Hochschul­allianz für den Mit­tel­stand (HAfM) hat daher Trans­fer-För­der­pro­gram­me genau­er ana­ly­siert und ers­te Ergeb­nis­se auf der 10. Ber­li­ner Transfer­konferenz im Febru­ar 2026 in Ber­lin vor­ge­stellt. Auf die­ser Grund­la­ge haben die Mit­glie­der der Alli­anz jetzt Ziel­set­zun­gen für zukünf­ti­ge För­der­struk­tu­ren abgeleitet.

„Trans­pa­ren­te­re und ver­läss­li­che­re För­der- und Anreiz­in­stru­men­te unter­stüt­zen eine enge­re Ver­bin­dung zwi­schen Wirt­schaft und Wis­sen­schaft“, so Prof. Dr.-Ing. Kira Kas­tell, HAfM-Vor­sit­zen­de und Prä­si­den­tin der Hoch­schu­le Hamm-Lipp­stadt. Ent­spre­chend sei es ein wesent­li­ches Anlie­gen der HAfM, die Wirk­sam­keit der staat­li­chen Trans­fer­för­der­pro­gram­me ziel­ge­nau­er aus­zu­rich­ten. Aller­dings lie­gen bis­lang nur weni­ge belast­ba­re Aus­sa­gen zur Wahr­neh­mung, Bedeu­tung und gar Wir­kung über die in unter­schied­li­chen Stu­di­en gelis­te­te Viel­zahl von För­der­pro­gram­men für Trans­fer vor. Die Hochschul­allianz für den Mit­tel­stand hat daher über 80 bun­des­wei­te Pro­gram­me sowie eini­ge Landespro­gramme zur Trans­fer-För­de­rung, ins­be­son­de­re mit Bezug auf ihre Rele­vanz für den Mit­tel­stand unter­sucht. Das Ergeb­nis ist ernüch­ternd: Etwa die Hälf­te aller trans­fer­re­le­van­ten Pro­gram­me weist kaum Rele­vanz für den Mit­tel­stand auf. Ein Teil der Pro­gram­me wird oft nur ein­mal aus­ge­schrie­ben und dann wie­der ein­ge­stellt. Über die Wirk­sam­keit kön­nen kaum Aus­sa­gen getrof­fen werden.

Die 16 Mit­glie­der der Hochschul­allianz für den Mit­tel­stand for­dern daher kla­re und trans­pa­ren­te Struk­turen bei der Trans­fer-För­de­rung. Die rund 70 bekann­ten Pro­gram­me von Bun­des­mi­nis­te­ri­en mit unter­schied­li­chen Kri­te­ri­en füh­ren zu gro­ßer Unüber­sicht­lich­keit sowohl bei antrag­stel­len­den Hoch­schu­len wie auch bei mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men. „Dass etwa die Hälf­te die­ser Pro­gram­me von den Hoch­schu­len gar nicht wahr­ge­nom­men wer­den, ist ein alar­mie­ren­des Indiz. Für klei­ne Unter­neh­men ist die­ser För­der­dschun­gel noch undurch­dring­li­cher“, resü­miert Prof. Dr.-Ing. Peter Rit­zen­hoff, HAfM-Geschäfts­füh­rer.  Auch wenn die bestehen­den Mit­tel nicht auf­ge­stockt wür­den, könn­te eine gerin­ge­re Anzahl von Pro­gram­men eine deut­lich grö­ße­re Wahr­neh­mung von Trans­fer erzeu­gen. Noch bes­ser sei natür­lich ein finan­zi­el­ler Mit­tel­auf­bau, der gezielt in weni­ge, z. T. neue Pro­gram­me flie­ße. „Das Trans­fer-För­de­rungs-Dickicht muss drin­gend ent­wirrt wer­den“, so Prof. Kas­tell. Weni­ger sei da mehr, um die gemein­sa­me inno­va­ti­ve Zusam­men­ar­beit zwi­schen HAW und Mit­tel­stand zu unterstützen.

Ein wei­te­rer Aspekt, der durch die HAfM-Ana­ly­se deut­lich wur­de, liegt im Bereich der Struk­tu­ren. So hält die HAfM deut­lich grö­ße­re Frei­heits­gra­de bei der Pro­jekt­durch­füh­rung für erfor­der­lich, wobei die Hoch­schu­len Ver­ant­wor­tung für Steue­rung und Prio­ri­sie­rung der Teil­pro­jek­te über­neh­men kön­nen. Das Zen­tra­le Innovations­programm Mit­tel­stand wie auch die aus­lau­fen­den DATI­pi­lot-Pro­gram­me sind Bei­spie­le dafür. Ergän­zend soll­te es deut­lich mehr HAW-spe­zi­fi­sche Pro­gram­me geben, wel­che die Koope­ra­ti­ons­pro­zes­se zwi­schen Hoch­schu­len für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten und Mit­tel­stand bes­ser und direk­ter unter­stüt­zen. „Pro­gram­me wie die HAW-For­schungs­Pra­xis sowie HAW-For­schungs­ak­zen­te bie­ten die rich­ti­gen Ansät­ze. Gut ange­nom­men wur­den bzw. wer­den auch Pro­gram­me wie KMU-Inno­va­tiv, die Inno­va­ti­ve Hoch­schu­le und die Indus­tri­el­le Gemein­schafts­for­schung“, so Prof. Kas­tell. Bereits auf Basis der vor­lie­gen­den Ana­ly­se zur Trans­fer-För­de­rung wer­de ein­drucks­voll deut­lich, dass die bestehen­den Pro­gram­me von Bund und Län­der mehr Poten­ti­al ber­gen, wenn die Stell­schrau­ben ange­passt wür­den. Die HAfM wird die Unter­su­chun­gen wei­ter­füh­ren und die Ergeb­nis­se ent­spre­chend publizieren.

Foto: Prä­sen­ta­ti­on ers­ter Ergeb­nis­se zur Trans­fer-För­de­rung auf der 10. Ber­li­ner Transfer­konferenz Quel­le: Kai Mar­tin Ulrich